Der Westdeutsche Künstlerbund verabschiedet sich in großer Dankbarkeit und Trauer von Timm Ulrichs.
Er war dem WBK bis zu seinem Tod als aktives Mitglied treu, und hat sich an unzähligen Ausstellungen beteiligt. Noch letztes Jahr hat er in der Ausstellung „kleinklein“ sein Kunstwerk „wie die Zeit vergeht II“ beigesteuert und hat es sich auch nicht nehmen lassen, zur Eröffnung zu erscheinen.
Timm Ulrichs kam, wie so oft mit der Bahn angereist, in letzter Minute, musste 2 Stunden später schon wieder los um noch den letzten Zug zu dem nächsten Ausstellungsort zu erreichen, hat aber jedes ausgestellte Kunstwerk mit großer Aufmerksamkeit angeschaut und das Schild dazu gelesen; mit dem Interesse eines Menschen, der zum ersten Mal ein Museum betritt.
Und nicht nur Kunstwerke haben seine ungeteilte Aufmerksamkeit erhalten: Auf seinen Ausstellungseröffnungen war er nach dem offiziellen Teil immer noch an der Bar des Museumscafes anzutreffen, und, egal ob es ein Museumsdirektor war der an seinen Tisch trat, ein Kunststudent, oder ein zufällig hereingeschneiter Obdachloser, jeder bekam seine freundliche Aufmerksamkeit, jedem hat er mit großem Interesse zugehört, niemand wurde ignoriert.
Und trotzdem war er absolut treffsicher in seinen Beurteilungen und Einschätzungen von Kunstwerken, die er mit großem Humor und scharfer Zunge abgeben konnte, kein kritikloses „Jeder ist ein Künstler“ sondern „Künstler wird man durch Entschluss“.
Wie seine Kunstwerke war er voller Humor, besaß Anstand und Höflichkeit und war gleichzeitig wunderbar politisch unkorrekt, herrlich streitbar, und wahnsinnig unterhaltsam, alles auf sehr hohem künstlerischen Niveau; all diese Gegensätze hat er in einer Person vereint, nicht nur „Totalkünstler“ er war auch „Totalmensch“
Seine körperliche Anwesenheit vermissen wir — seine Kunstwerke sind in vielen Museen zugänglich, und, wie in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen auf dem Schild zu seinem Kunstwerk Selbstporträt (Körper- Kunst-Objekt),1970/71 (Wilhelm Hack Museum Ludwigshafen) treffend vermerkt ist: „… in der mittelalterlichen Kunst wird mit diesen Mitteln die Abwesenheit Jesus in seiner menschlichen Gestalt und gleichzeitige geistige Anwesenheit repräsentiert. Ulrichs, der sich selbst als Kunstobjekt sieht, aber naturgemäß nicht in jeder Ausstellung anwesend sein kann, verdeutlicht hiermit seine gleichzeitige An-und Abwesenheit.“
Angela Schilling
