Aus Leidenschaft für Kunst und Menschlichkeit

Die Künstlerin – Sie beschrieb sich selbst als jemand der spielerisch-experimentierend mit methodischer Neugier Materialien, Medien, Werkzeuge, Raumbedingungen erkundet. „Aus relativer Absichtslosigkeit, dem Zufall, der Spontaneität, der Intuition Raum gebend“ 1, entwickelte sie Spielregeln, die zum Konzept der jeweiligen Arbeitsserie führen. Vermeintliche Fehler werden integriert und oft zum Auslöser neuer Ideen und Arbeitsserien. Sie arbeitete mit den ‚Neuen Medien‘, die sie in ihren Arbeiten erfindungsreich kombiniert, verknüpft und oft ‚gegen den Strich bürstet‘. Sie liebte aber auch das alte Handwerk wie Radierung und Lithografie. In diesem Spannungsfeld, das von Druckgrafik bis zu digitaler Fotografie reicht, entstanden ihre Bildkonzepte.

Zum Anlass der Kunstpreisverleihung ‚Das Hungertuch‘, 2005, schrieb der Essayist Matthias Hagedorn, „Beim Betrachten ihrer Bilder fühlt man sich an Nikolaus Cusanus‘ Schrift „De Visione Die“ erinnert, in der ein blickendes Bild beschrieben wird, von dem sich der Betrachter immer schon wahrgenommen weiß. Hier wird der Sehende zum Gesehenen, der Suchende zum Gefundenen. So homogen ihre Werkgruppen sind, so heterogen erscheint die Handschrift der Artistin, wenn man die Werkgruppen nebeneinander stellt, vielfältig wie das Leben selbst“.2 Und Ingrid Bachér notiert in ihrer Einleitung zum Katalog Almuth Hickl, HandArbeiten, „Fasziniert von dem ihr Naheliegenden, von der Fülle des alltäglich Anwesenden, scheint mir Almuth Hickl unterwegs zu sein im Verlangen, etwas Neues herzustellen, etwas so noch nicht Gesehenes, auf der Suche nach dem Eindeutigen, das dem Vielfältigen gerecht wird“.3

Freundschaft und intensive künstlerische Auseinandersetzungen, oft verknüpft mit Projekten, verbanden zahlreiche Künstler:innen und Kulturschaffende mit Almuth Hickl. Großartig, wie bis ins Detail von ihr recherchiert und analysiert wurde – sie an der Sache laborierte und so zu immer wieder neuen Wegen und Werken fand. Sie war eine Meisterin der Experimentierbühne, ein inspirierender Geist, ein neugieriger Mensch mit einer Portion Frechheit/Mut – und am Ende stand meist ein Lachen.

Almuth Hickl (1938 – 2024) in Erlangen geboren, lebte und arbeitete in Düsseldorf. 1958-1964 Studium der Kunst, Kunstgeschichte und Philosophie in Erlangen, Saarbrücken, Hamburg und Düsseldorf u. a. bei den Professoren Adolf Schmoll gen. Eisenwerth, Oskar Hollweck, Tadeusz Kantor und Otto Coester. Von 1978-2001 Professur für Kunst und Medienpädagogik an der FH Düsseldorf. Im Westdeutschen Künstlerbund war sie seit 1972 Mitglied und engagierte sich im Vorstand von 1989-1991 und 2002-2010. Die Ehrenmitgliedschaft wurde ihr 2018 verliehen. 2001/2002 setzte sie sich tatkräftig für den Erhalt und Fortbestand der Grossen NRW im Kunstpalast Ehrenhof Düsseldorf ein. Sie erhielt in Anerkennung ihres künstlerischen Werks etliche Stipendien und Preise, gewann mehrere Wettbewerbe im Bereich Kunst am Bau und war an zahlreichen Ausstellungen und Symposien im In- und Ausland beteiligt.

Anna Margetts, Ike Vogt

 

1Statement von Almuth Hickl
2Matthias Hagedorn, Bismarkturm, Sommer 2005‚ ‚Almuth Hickl erhält in Anerkennung ihres künstlerischen Werks das Hungertuch für Bildende Kunst 2005‘, https://www.vordenker.de/hungertuch/hagedorn2005.htm
3Ingrid Bachér, ‚Beim Ansehen der Bilder einer Hand‘: Katalog Almuth Hickl, HandArbeiten, 2007