Am 27. Februar dieses Jahres ist unser langjähriges Mitglied, der Kunstmacher Jiří Hilmar, in  Příčina, Tschechien nach langer Krankheit verstorben. Jiřís Lebensweg verlief quer zu den  Zeitläuften; den politischen, den künstlerischen wie den wirtschaftlichen. 1937 in Hradec- Králové (Königgrätz) geboren, wurde er als Mitbegründer (1967) des Prager „Klubs der Konkretisten“ schnell überegional bekannt. Infolge der gewaltsamen Niederschlagung des Prager Frühlings verließ Jiří die CSSR, und nach Stationen in München und Frankfurt kam er 1973 nach Gelsenkirchen, wo zu der Zeit mit der Künstlersiedlung Halfmannshof ein bedeutender Ort des aktuellen Kunstgeschehens in NRW existierte. Dort ließ er sich mit Atelier und Wohnung dauerhaft nieder.
Seine spätere Einschätzung dieser Entscheidung war geprägt von 4 Jahrzehnten als Künstler im Ruhrgebiet, dem letztlich durch den Abriss der Atelier-und Ausstellungshalle sowie des Wohnhauses sein Kunst-und Lebensort genommen wurde. Glücklicherweise war man inzwischen in Tschechien wieder auf Jiří Hilmar aufmerksam  geworden, und es ergaben sich durch vielbeachtete Ausstellungen auch wieder wirtschafliche Perspektiven, sodass er mit seiner Frau, der BIldhauerin Karin Hilmar (auch sie Mitglied des WKB) ein Anwesen in Příčina, in der Nähe von Prag, erwerben konnte, wohin die beiden 2013 zogen. Im selben Jahr wurde Jiří Hilmar Ehrenbürger seiner Heimatstadt Hradec-Králové.
Bereits seine frühen, konkreten Papierarbeiten zeigten Jiris poetisches Empfinden, das auch  seine seit den 80 ern entstandenen Holzskulpturen prägt, die viele aus Ausstellungen des WKB kennen: Mit seinem ordnenden Zugriff auf das Material kommt immer auch eine versöhnende Zartheit ins Werk, die seine Objekte haptisch attraktiv und emotional zugänglich macht. Zugänglich habe ich ihn auch als Menschen erlebt, bescheiden, bodenständig und humorvoll. Seine Selbstbezeichnung als Kunstmacher hatte er gewählt, um seinen praktischen, tätigen Zugang zum Material zu betonen, der in der konstruktiv konkreten Tradition, aus der er kam, nicht im Vordergrund stand. Seine letzte große Ausstellung in Hradec-Králové nannte er „Nalézat ztracenou rovnováhu“ (Das verlorene Gleichgewicht wiederfinden), was auf die  Dichotomie von Welt und Form, Materie und Konstruktion, aber sicher auch auf seinen persönlichen Lebensweg bezogen verstanden werden kann.
Christoph Platz