Andreas Rosenthal verstarb am 07. 07. 2026 im Alter von 76 Jahren in seinem Atelier in Münster.
Wir verabschieden uns von Ihm in großer Trauer.
Andreas Rosenthal – bis zuletzt aktives Mitglied im WKB – nimmt innerhalb der deutschen Gegenwartsgrafik eine besondere Stellung ein, weil er den Holzschnitt und die Zeichnung als Bildmedien radikal erneuerte und erweiterte. Er begriff sie als räumliche, körperliche und prozesshafte Vorgänge: frei im Raum hängende Papierbahnen, transparent gewachste Zeichnungen, massive Holzplatten als Installationen.
Die überdimensionalen Holzplatten – bearbeitet mit Beitel, Flachdexel, Axt, Kettensäge und Winkelschleifer – sind nicht bloß Werkzeug für den Druck, sondern besitzen eigene skulpturale Qualität.
„Es ist eine Arbeit wie in einem Steinbruch, ich bin immer wieder erstaunt, welche Leichtigkeit und Helligkeit die Drucke später ausstrahlen“
Im „mehrlagigem Holzschnitt“ durch das Übereinankerdrucken mehrerer Druckplatten entstehen Tiefenräume mit tektonisch wirkenden Strukturen und geologischen Anmutungen: Gesteinsschichten, archäologische Ablagerungen, Landschaften – ohne gegenständlich zu werden.
Im Dialog zu den Holzschnitten sind die transparent gewachsten, von beiden Seiten geschabten und bezeichneten Doppelbilder als „räumliche Membranen“ zu verstehen. Hier sind vermehrt auch Schriftelemente eingesetzt, so z.B. das Zitat eines Wissenschaftlers.
„Die Idee ist da, sie ist in Arbeit. Die Idee muß durch die Welt des Materials, so dass sie schließlich zur erarbeiteten Idee wird“. In seinen thematischen Zyklen – wie den großformatigen Bleistift- und Tuschzeichnungen von Wolken – wird das absolut Flüchtige und Luftige greifbar gemacht.
So z.B. in der letzten Ausstellung von Andreas Rosenthal „Hände wie Wolken“ im Gallitzinhaus Angelmodde, Münster 2025.
Katalogtext: „…Den Wolken geht Andreas Rosenthal mit den Augen nach, sie bleiben an der Wolke hängen. Die den Stift haltende Hand folgt blind den Körperimpulsen, welche vom Auge geleitet durch den Arm bei der Hand ankommen….. Auf der Rückseite der transparent gewachsten Papierfläche der entgegengesetzte Blick zur Erde, die kartografisch-topografische Gegebenheit des gedachten Ortes in gestischer Zeichensprache…“ So sah Andreas Rosenthal sich als der einzige Künstler, der Himmel und Erde gleichzeitig ohne Horizont auf der Bildfläche wiedergeben konnte.
Dass die offenen Kommunikationsformen im Werk von Andreas Rosenthal Teil seiner offenherzigen Künstlerpersönlichkeit sind, davon konnte ich mir als Kurator seiner letzten Ausstellung im Gallitzinhaus Angelmodde ein Bild machen. Andreas Rosenthal sprach mit einer Gruppe interessierter Schülerinnen und Schülern sehr persönlich über seine Arbeit und ging entgegenkommend auf alle Fragen detailliert ein.
Für die Schüler öffnete sich eine neue Welt.
An dieser Stelle möchte ich sagen, dass wir Andreas Rosenthal in seiner liebevollen und offenen Persönlichkeit sehr vermissen werden.
Andreas Rosenthal, 1950 in Düsseldorf geboren, studierte von 1972 bis 1979 an der Kunstakademie Düsseldorf, Abt. Münster bei Prof. Gunther Keusen als Meisterschüler. Er erhielt mehrere Stipendien und zahlreiche Auszeichnungen. In der Zeit von 1984 bis 1990 hatte Andreas Rosenthal den Lehrauftrag für experimentelle Grafik an der PH Münster, von 1990 bis 2013 den Lehrauftrag für experimentelle Grafik an der FH Düsseldorf, zwischenzeitlich von 2002 bis 2003 war er Gastprofessor an der Hochschule für Künste Bremen.
Zwischen 2001 und 2025 realisierte Andreas Rosenthal im In- und Ausland zahlreiche Einzelausstellungen und machte so seine Arbeit einer breiten Öffentlichkeit bekannt.
Die letzte größere Aktion im Jahr 2026 war die Schaffung großformatiger Grafikarbeiten als Originalpartituren für das Konzert mit dem Titel: “Es ist Zeit, dass der Unrast ein Herz schlägt“. Dieses Konzert sollte im Rahmen des internationalen Holzbläser Festivals „SUMMERWINDS MÜNSTERLAND 2026“, welches seit einigen Jahren an verschiedenen markanten Spielorten des Münsterlandes realisiert wird, auch wiederum im Atelier von Andreas Rosenthal stattfinden.
Auch in dieser Hinsicht gilt unser großer Respekt und unsere tiefe Anteilnahme einem außergewöhnlichem Künstler.
Hans-Georg Dornhege
